Potenzielle Partner – und was uns mit ihnen verbindet

Afrika südlich der Sahara

Bereits vor dem Auftreten des neuartigen Coronavirus ließen die einleitenden Worte im Koalitionsvertrag der Bundesregierung zur Zusammenarbeit mit Afrika keinen Zweifel an der Relevanz der Weltregion für die deutsche Außenpolitik: „In keiner Region der Welt zeigen sich die Veränderungen der internationalen Politik so drastisch wie in Afrika. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Staaten Afrikas ist eine zentrale Aufgabe unserer Zeit. Es liegt in unserem eigenen wirtschaftspolitischen, sicherheitspolitischen und migrationspolitischen Interesse, zu einem Abbau des Entwicklungs- und Wohlstandsgefälles beizutragen.“

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Bereits vor dem Auftreten des neuartigen Coronavirus ließen die einleitenden Worte im Koalitionsvertrag der Bundesregierung zur Zusammenarbeit mit Afrika keinen Zweifel an der Relevanz der Weltregion für die deutsche Außenpolitik: „In keiner Region der Welt zeigen sich die Veränderungen der internationalen Politik so drastisch wie in Afrika. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Staaten Afrikas ist eine zentrale Aufgabe unserer Zeit. Es liegt in unserem eigenen wirtschaftspolitischen, sicherheitspolitischen und migrationspolitischen Interesse, zu einem Abbau des Entwicklungs- und Wohlstandsgefälles beizutragen“. Zu vermuten ist, dass die Corona-Krise aufgrund enormer Belastungen der Gesundheitssysteme, Volkswirtschaften und individuellen Existenzgrundlagen in Afrika bestehende Herausforderungen zusätzlich verstärkt. Vor diesem Hintergrund unterstrich die Bundesregierung die Bedeutung der Zusammenarbeit im April 2020 erneut. Fakt ist, dass auf dem Kontinent große Transformationen stattfinden. Zur ganzen Wahrheit gehört dabei auch, dass der geostrategische Aufstieg Chinas, Russlands und der Türkei auf dem Kontinent althergebrachte Konstellationen durcheinanderwirbelt.

Für die Identifizierung potenzieller Partner sind die heterogenen Entwicklungen auf dem Nachbarkontinent differenziert zu betrachten. Gewisse Trends sind jedoch erkennbar. Das BMZ zählt 49 afrikanische Nationen zu Subsahara-Afrika. In diesen durch Sprachvielfalt und Traditionsreichtum geprägten Ländern leben mehr als 1 Milliarde Menschen. Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung prognostiziert, dass sich die Einwohnerzahl bis zum Jahr 2050 vermutlich auf mehr als 2,1 Milliarden Menschen verdoppelt. Damit verzeichnet die Region das höchste Bevölkerungswachstum im globalen Vergleich. Die rapide anwachsende Bevölkerung in Subsahara-Afrika ist außerdem nicht nur die jüngste weltweit, sondern verlässt auch vielfach den ländlichen Raum, um in die Städte zu ziehen. Nirgendwo auf der Welt wachsen diese in Folge so schnell. Dabei ist die ressourcenreiche Weltregion überdurchschnittlich stark von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen und erleidet die meisten inner- und nichtstaatlichen Kriege. Je nach Interpretation der Statistik werden zahlreiche afrikanische Länder als ärmste und am wenigsten entwickelte der Welt charakterisiert – aber auch als Staaten, von denen knapp die Hälfte inzwischen zu den Ländern mittleren Einkommens gehört. Von der oftmals prophezeiten „demografischen Dividende“ sind die meisten Länder in Subsahara-Afrika allerdings noch weit entfernt. Die Wachstumsraten afrikanischer Volkswirtschaften sind im weltweiten Vergleich zum Teil sehr hoch. Dies bedeutet aber nicht per se inklusives Wachstum, das bei der Bevölkerung ankommt. Erst im Zusammenhang mit landesspezifisch divergierenden Faktoren, wie beispielsweise demografischer Entwicklung, institutioneller Stabilität und makroökonomischer Ausrichtung, sind solide Schlüsse möglich. Basierend auf den heterogenen Kontextfaktoren sind deutlich unterschiedliche Entwicklungspotenziale und -hemmnisse der einzelnen Länder zu erwarten. Für die Relevanz der Region Subsahara-Afrika und die Ausgestaltung der potenziellen Zusammenarbeit hat dies verschiedene Implikationen.

Gemessen am Handel ist die Bedeutung der Region im globalen Vergleich eher schwach ausgeprägt. Warenimporte aus Subsahara-Afrika nach Deutschland hatten im Jahr 2019 einen Wert von 15 Milliarden Euro. Dies entspricht circa 1,4 Prozent des gesamten Importvolumens. Deutsche Warenexporte nach Subsahara-Afrika betrugen im Jahr 2019 weniger als 14 Milliarden Euro, das heißt 1 Prozent der gesamten deutschen Ausfuhren. Etwa zwei Drittel davon wurden nach Südafrika geliefert. Diese Werte haben sich in den letzten zwei bis drei Jahren kaum verändert. Die Direktinvestitionen betrugen im Jahr 2017 mit 8,3 Milliarden Euro 0,7 Prozent. Damit sind sie geringer als die deutschen Direktinvestitionen in Irland; auch hier profitiert Südafrika mit fast 80 Prozent am meisten. Nichtsdestotrotz ist die Zielstellung deutscher Entwicklungspolitik, privatwirtschaftliches Engagement und die Förderung von Rahmenbedingungen für wirtschaftliche Entwicklung zu stärken, richtig und wichtig. In vielen Ländern Subsahara-Afrikas mangelt es an wirtschaftlicher Diversifizierung. Oftmals können afrikanische Volkswirtschaften mit den demografischen Herausforderungen nicht Schritt halten: Es fehlt an qualitativer Bildung und an Arbeitsplätzen im formalen Sektor. Geringe Anreizmechanismen, bürokratische Hürden, grassierende Korruption, ungenügende Rechtssicherheit, schlechter Zugang zu Kapital und unzureichende Infrastruktur stellen Unternehmer und die Bevölkerung vor zahlreiche Herausforderungen. An innovativen Ideen fehlt es jedoch nicht; Beispiel dafür sind die lebhaften Gründerszenen, wie sie sich etwa in Ghana und Kenia finden lassen.

Gleichzeitig rückt der Reichtum an natürlichen Ressourcen und Mineralvorkommen in Subsahara-Afrika im Zuge technologischer Entwicklungen zunehmend in den geopolitischen Fokus. Vor allem das chinesische Interesse ist dabei unübersehbar. Südafrika zum Beispiel verfügt über diverse Metalle und Mineralien, die für die Elektromobilität relevant sind. Die DR Kongo gehört zu den rohstoffreichsten Gebieten der Welt. Im Osten des Landes wird ein Großteil der weltweiten Coltan-Vorkommen vermutet, die eine wichtige Rolle für die Produktion von Mobiltelefonen und Computern spielen. Im Kongo-Becken befindet sich außerdem das zweitgrößte Regenwaldgebiet der Welt, das für die Holzwirtschaft von großer Bedeutung ist. Jedoch ist es durch illegale und nicht-nachhaltige Abholzung, etwa zugunsten des Bergbaus, bedroht. Dies hat auch Auswirkungen auf die Stabilisierung des globalen Klimas, da das Gebiet als wichtiger natürlicher Kohlenstoffspeicher fungiert. Auf dem afrikanischen Kontinent, der im globalen Vergleich relativ wenig Treibhausgase emittiert, verursacht Südafrika mit Abstand die meisten CO2-Emissionen, verfolgt jedoch auch ehrgeizige Ziele zum Ausbau erneuerbarer Energien und bietet deutschen Unternehmen in diesem Sektor Investitionsmöglichkeiten.

Klimawandelbedingte Existenzbedrohungen, zum Beispiel in der Tschadseeregion, führen zu massenhafter Binnenmigration. Schwache staatliche Autorität und der Machtzuwachs terroristischer Gruppen, wie des Islamischen Staates, von Boko Haram und Al-Shabaab, bedingen außerdem die zunehmende Destabilisierung großer Gebiete in Subsahara-Afrika. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die innerafrikanische Sicherheitslage und in der Folge auch auf die Stabilität Europas. Deutschland als integraler Bestandteil der EU, der NATO und weiterer multilateraler Bündnisse ist hier gefordert: Dies betrifft sowohl die Förderung von Frieden, Sicherheit und Stabilität als auch die Minderung von Fluchtursachen und die Regulierung illegaler Migrationsströme.

Den konzeptionellen Schirm der deutschen Afrikapolitik bilden die afrikapolitischen Leitlinien der Bundesregierung. Das formulierte Ziel einer vertieften Partnerschaft mit Afrika auf Augenhöhe impliziert die Ablösung einer Geber-Nehmer-Mentalität durch den Ausbau partnerschaftlicher Kooperation inklusive Übernahme von Eigeninitiative und Eigenverantwortung. Der afrikapolitische Ansatz der Bundesregierung ist breit aufgestellt und verfügt über eine Vielzahl an Strategien und Instrumenten. Er beansprucht „kohärent, innerhalb der Bundesregierung koordiniert und in den europäischen und multilateralen Kontext eingebettet“ zu sein. In der Realität bedauern erfahrene Akteure allerdings institutionelle und thematische Zersplitterung und fordern mehr Stringenz und strategische Koordinierung.

Deutschland und die afrikanischen Länder verpflichten sich im Vertrag über die Europäische Union (EUV) und in der Agenda 2063 der Afrikanischen Union (AU) einer regelbasierten Weltordnung und dem multilateralen System mit den Vereinten Nationen (VN) als zentralem Element. International vereinbarte Ziele und Abkommen wie die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) bilden eine wesentliche Richtschnur. Grundlegende Werte sind aus europäischer Perspektive die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschließlich Minderheitenrechte. Für eine echte Wertepartnerschaft sind damit Pluralismus, Nichtdiskriminierung, Toleranz, Gerechtigkeit und Solidarität im Normengefüge potenzieller Partnerländer ganz entscheidende Bedingungen.

Der unter deutscher G20-Präsidentschaft im Jahr 2017 verabschiedete Compact with Africa (CwA) bildet ein zentrales Element der bilateralen deutschen Afrikapolitik. Die Initiative unterstützt Reformprogramme zur Generierung von Wachstum und Beschäftigung in den CwA-Partnerländern Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Côte d’Ivoire, Ghana, Guinea, Ruanda, Senegal und Togo. Unterstützend stehen Entwicklungsinvestitionsfonds des BMZ (AfricaConnect und AfricaGrow) und des BMWi (Wirtschaftsnetzwerk Afrika) im Wert von 1 Milliarde Euro zur Förderung privater Investitionen bereit. Das BMZ stellt mittels der Sonderinitiative Ausbildung und Beschäftigung zudem 250 Millionen Euro für Ausbildungs- und Jobpartnerschaften, beispielsweise im Textilsektor in Äthiopien, zur Verfügung. Im Rahmen des Marshallplans mit Afrika ermöglicht das BMZ Mitgliedsländern des CwA Reformpartnerschaften. Voraussetzungen für die Auswahl als Reformpartnerland sind demokratische und rechtsstaatliche Reformen im Land. Reformpartnerschaften bestehen aktuell in Subsahara-Afrika mit Äthiopien, Côte d’Ivoire, Ghana und Senegal.

Das BMWi fördert außerdem mit dem Konzept Pro!Afrika in Höhe von 100 Millionen Euro verschiedene Instrumente zum Aufbau von Partnerschaften; dazu zählen etwa Digitalisierungs- und Innovationspartnerschaften und eine starke Außenwirtschaftsförderung. Im Rahmen der Risikoabsicherung für Exporte und Investitionen zur Außenwirtschaftsförderung ist es zudem federführend an der Ausgestaltung und Gewährung von staatlichen Exportkreditgarantien für Lieferungen und Leistungen (Hermesdeckungen) und Investitionsgarantien für deutsche Unternehmen beteiligt, wobei für CwA-Länder besondere Anreize bestehen. Im Jahr 2019 wurden Kreditgarantien für Exporte nach Südafrika (circa 200 Millionen Euro), Angola (circa 112 Millionen Euro), Kenia (circa 87 Millionen Euro) und, in geringerer Höhe, nach Côte d’Ivoire, Ghana, Nigeria, Senegal, Sierra Leone, Tansania und Togo gewährt. Der Bund hat im Jahr 2019 zudem Investitionsgarantien für Projekte in Äthiopien, Ghana und Tansania übernommen. Ergänzend verhandelt das BMF die Ausweitung von Doppelbesteuerungsabkommen. Zur Innovationsförderung und Stärkung der Beschäftigungsfähigkeit stellt das BMBF im Rahmen seiner Afrikastrategie des Weiteren mindestens 300 Millionen Euro für deutsch-afrikanische Kooperationen in Bildung, Wissenschaft und Forschung bereit.

Zur Förderung des Handels stehen im Rahmen der europäischen Handelspolitik grundsätzlich auf Gegenseitigkeit beruhende Handelsabkommen wie die Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPAs) und einseitige allgemeine Präferenzsysteme für Zollermäßigungen wie die Initiative Alles außer Waffen zur Verfügung. Verhandlungen über EPAs in Westafrika führten bislang zu Abkommen mit Côte d’Ivoire und Ghana und zu einem zur Ratifizierung stehenden regionalen EPA, das von allen westafrikanischen Staaten mit Ausnahme des Wirtschaftsgiganten Nigeria unterzeichnet wurde. Als einziges zentralafrikanisches Land hat Kamerun ein EPA ratifiziert, dessen Implementierung noch diskutiert wird. Im östlichen und südlichen Afrika bestehen EPAs mit Mauritius, Madagaskar, den Seychellen und Simbabwe. Darüber hinaus wurde ein EPA mit der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika (SADC) abgeschlossen. Ein regionales EPA mit der ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC) wurde bislang nur von Kenia ratifiziert; weitere Schritte bleiben unklar und bedürfen weiterer Aussagen der EAC. Im Jahr 2019 trat darüber hinaus die transkontinentale Afrikanische Freihandelszone (AfCFTA) formell in Kraft, deren konkrete Umsetzung die afrikanischen Staaten jedoch nun erst noch verhandeln müssen. Dieser Prozess, in dem etwa Ausnahmeregelungen und Ursprungsregeln verhandelt werden, dürfte aufgrund seiner Komplexität sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Wann und in welchem Umfang eine AfCFTA somit ihre Wirksamkeit entfaltet, ist derzeit noch offen.

Eingebettet in die international vereinbarten SDGs und das Pariser Klimaabkommen stehen verschiedene Instrumente zum Ressourcenschutz sowie zur Mitigation und Adaption bereit. Die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) bildet ein zentrales Förderprogramm des BMU im Rahmen der Finanzierungszusagen Deutschlands für die UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) und die Biodiversitätskonvention (CBD). Aktuell werden dadurch mehr als 75 Projekte zur Minderung von Treibhausgasemissionen, Anpassung an die Folgen des Klimawandels, zum Erhalt natürlicher Kohlenstoffsenken und Schutz der biologischen Vielfalt in Subsahara-Afrika gefördert, zum Beispiel in Ghana, Kenia, Nigeria und Südafrika. Weitere Initiativen des BMU beinhalten die West- und Ostafrikanische Allianz für Kohlenstoffmärkte und Klimafinanzierung, an der sich etwa Tansania beteiligt, und das Partnership for Market Readiness-Programm zur Einführung von CO2-Preisinstrumenten in Südafrika. Das BMWi pflegt mit Südafrika zudem eine Energiepartnerschaft und Afrika ist außerdem der Schwerpunktkontinent des BMZ-Engagements im Energiebereich. Ausdruck dessen ist beispielsweise die Initiative Grüne Bürgerenergie für Afrika zum Aufbau dezentraler Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energien. Maßnahmen zum Ausbau erneuerbarer Energien finden etwa in Kenia, Mosambik und Südafrika statt. Es ist davon auszugehen, dass auf Basis des European Green Deal und der im März veröffentlichten Vorschläge für die neue EU-Afrika-Strategie erhebliche zusätzliche Mittel für Klima- und Energieinitiativen bereitgestellt werden.

Innenpolitische Krisen, Konflikte und terroristische Aktivitäten in Ländern wie Nigeria, Mali, Kamerun und der Region der Großen Seen sowie kriminelle Gefährdungspotenziale, zum Beispiel durch Piraterie im Golf von Guinea, stellen den Kontinent, aber auch Europa und andere Weltregionen vor immense Herausforderungen, die gemeinsam gelöst werden müssen. Deutsche Außenpolitik ist in den VN und der EU verankert. Die Bundeswehr ist fester Bestandteil deutscher Sicherheitspolitik und engagiert sich in Subsahara-Afrika in verschiedenen Missionen für Sicherheit, Stabilität und Frieden. Dazu zählen die Europäische Trainingsmission (EUTM) und die VN-Stabilisierungsmission (MINUSMA) in Mali, die Anti-Piraterie-Mission Atalanta der EU am Horn von Afrika oder die Mission UNMISS im Südsudan. Mali und Nigeria bilden zudem Schwerpunktländer der im Jahr 2016 begonnenen Ertüchtigungsinitiative der Bundesregierung, die vom BMVg und AA umgesetzt wird und zivile oder militärische Maßnahmen der Krisenprävention, -bewältigung und -nachsorge beinhaltet. Die Mittelausstattung betrug im Zeitraum 2016 bis 2019 mehr als 400 Millionen Euro. Zur Stärkung der regionalen Zusammenarbeit und im Kampf gegen Terrorismus, Menschenhandel und -schmuggel unterstützt Deutschland außerdem mit 1,7 Milliarden Euro (2017 bis 2020) den G5-Sahel-Bund, bestehend aus Mauretanien, Mali, Niger, Burkina Faso und Tschad. Gemeinsam mit weiteren europäischen Staaten und internationalen Organisationen bildet die Bundesrepublik die sogenannte Sahel-Allianz für Sicherheit, Stabilisierung, humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit. Diese wurde von Deutschland, Frankreich und der EU im Jahr 2017 gegründet, um zur verbesserten Koordinierung der zahlreichen Initiativen in der Region beizutragen. Zur Regulierung globaler Migrationsströme wurden im Jahr 2016 EU-Migrationspartnerschaften mit den fünf afrikanischen Schwerpunktländern Mali, Niger, Nigeria, Äthiopien und Senegal eingeführt.

Der Richtungswechsel von klassischer Entwicklungshilfe hin zu einer partnerschaftlich ausgerichteten Entwicklungszusammenarbeit, die die gezielte Förderung der Privatwirtschaft, die Idee des Unternehmertums und das Prinzip der Eigenverantwortung in den Fokus rückt, ist für die deutsch-afrikanische Zusammenarbeit grundsätzlich ein großer Gewinn.

Für die langfristige Erfolgsgenerierung bedarf es jedoch noch mehr: nämlich funktionierender staatlicher Strukturen und verlässlicher Akteure, die Entwicklungshemmnisse wie Korruption, Misswirtschaft und Willkür nicht dulden, gute Regierungsführung als Grundvoraussetzung nachhaltiger Entwicklung erkennen, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit als feste Bestandteile ihrer Verfassung und ihres Handelns akzeptieren und einer marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung offen gegenüberstehen. Dies muss verstärkt Ausdruck in der deutschen Außen- und Entwicklungspolitik finden. Als Land mit stabilen demokratischen Verhältnissen und einer reformorientierten Wirtschaftspolitik ist zum Beispiel Ghana ein geeigneter Partner. Die Bundesregierung betont zudem, darauf hinwirken zu wollen, dass AU, EU und ihre Mitgliedstaaten in internationalen Institutionen und multilateralen Foren ihre Positionen stärker abstimmen und gemeinsam für eine regelbasierte Weltordnung eintreten. Äthiopien, mit Sitz der AU in Addis Abeba, bietet dafür Anknüpfungspunkte und gilt als potenzieller Partner.

Südafrika verfügt über die intensivsten Handelsbeziehungen mit Deutschland und zeigt sich bereits als verlässlicher Partner. Um die im globalen Vergleich dennoch relativ schwachen Handelsbeziehungen auszubauen und notwendige wirtschaftliche Transformationsprozesse anzustoßen, sind die Schaffung von Anreizstrukturen und institutionellen Rahmenbedingungen (etwa die Formalisierung des großen informellen Sektors und der Subventionsabbau) sowie die Förderung von Prinzipien wie Solidarität und Subsidiarität essenziell. Innovationspotenzial ist bereits vielerorts vorhanden. Kenia beispielsweise zeichnet sich durch eine auf Export ausgerichtete Agrarindustrie und eine lebhafte Start-up-Szene aus. Das in Kenia entwickelte mobile Bezahlsystem M-Pesa hat sich mittlerweile in vielen afrikanischen Ländern etabliert. Auf dem Kontinent wächst die Informations- und Telekommunikationsbranche rasant. Auch in Ghana boomt die Gründerszene. Langfristig gesehen könnte Subsahara-Afrika sich zudem zu einem wichtigen Absatzmarkt entwickeln. Das Thema Demografie ist dabei stärker in den Blick zu nehmen. Zur Stärkung der Resilienz afrikanischer Volkswirtschaften als Beitrag zur Stabilität in der Region sollte Deutschland sich auf europäischer Ebene für Handelsabkommen mit afrikanischen Ländern einsetzen, die mitunter von Fragmentierung und Diskrepanz gezeichneten afrikanischen Regionalorganisationen wie ECOWAS, EAC und SADC stärken und die Umsetzung der AfCFTA weiter konstruktiv begleiten.

Um die enormen sicherheitspolitischen Bedrohungen für die Region und Europa einzudämmen, ist Nigeria mit seiner diplomatischen und wirtschaftlichen Schlagkraft und ECOWAS-Sitz sowie als eines der Schwerpunktländer der Ertüchtigungsinitiative ein wichtiger Akteur und potenzieller Partner. Zur Stärkung effektiver und effizienter Präsenz und Handlungsfähigkeit von Staat und Sicherheitsakteuren kommt dem Auf- und Ausbau staatlicher Strukturen und der Ertüchtigungsinitiative eine wichtige Bedeutung zu. Auch Mali bringt als Schwerpunktland der Initiative Potenzial für die Intensivierung der Beziehungen mit und gilt zusammen mit Niger und den weiteren Sahelstaaten, die einerseits Transitländer für die Migration aus Westafrika und andererseits Betroffene des islamistischen Terrorismus sowie existenzieller Klimawandelfolgen sind, als wichtiger Partner für die deutsche Außenpolitik.

Zudem bietet die besondere Aufmerksamkeit, die den Themen Klimaschutz, grüner Transformation und nachhaltiger Energieversorgung auf europäischer Ebene gewidmet wird, Deutschland die Chance, auch Partnerschaften in diesen Bereichen auszubauen. Südafrika gilt hier als erfahrener Partner, mit dem bereits viel Know-how ausgetauscht wurde. Aber auch die DR Kongo mit erheblicher Biodiversität und Kenia mit dem Sitz des Umweltprogramms der VN sind beispielsweise potenzielle Partner.

Anknüpfungspunkte sowohl auf instrumenteller als auch institutioneller Ebene gibt es viele. Deutschland hat die Chance, sich auf der Suche nach Verbündeten zur Stärkung von Partnerschaften zu positionieren und die strategische Ausrichtung der deutschen Afrikapolitik zu schärfen. Die anstehende EU-Ratspräsidentschaft bietet dafür einen einflussreichen Rahmen.

Stefanie Brinkel ist Referentin „Zentralafrika und Klima“ in der Hauptabteilung Europäische und Internationale Zusammenarbeit.

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GHANA

Als Partner für die Stärkung einer werte- und regelbasierten Weltordnung

Nicht nur die Bereitschaft Ghanas, sich auf Reformen im wirtschafts- und finanzpolitischen Sektor einzulassen, auch die vor allem im Vergleich zu vielen anderen Subsahara-Afrika-Ländern relativ stabilen Rahmenbedingungen ließen aus Sicht der G20 und speziell Deutschlands (bei der Reformpartnerschaft) Ghana zu einem interessanten Partner werden.

KENIA

Als Partner für die Wahrung unseres Wohlstands durch freien Handel und Innovation

Kenia ist der stabilste Staat Ostafrikas und eine nach Westen ausgerichtete Marktwirtschaft. Mit einem konstant starken Wirtschaftswachstum in den zwölf Jahren vor der Corona-Krise und einem BIP in Höhe von knapp 88 Milliarden US-Dollar (2018) ist Kenia die größte Volkswirtschaft in Ostafrika und ein Wachstumsmotor für die gesamte Region. Auch dank des Hafens Mombasa und des Flughafens in Nairobi ist das Land ein wichtiger Hub im Handel und im Finanzwesen. Viele internationale Unternehmen haben Kenia als Sitz ihrer (Ost)Afrika-Niederlassungen gewählt.

NIGERIA

Als Partner für die Sicherheit und Stabilität Europas, seiner Nachbarschaft und anderer Weltregionen

Mit etwa 200 Millionen Einwohnern ist Nigeria nicht nur das größte Land Afrikas, sondern auch seit einigen Jahren die größte Volkswirtschaft des Kontinents. Das Land ist reich an Öl- und Gasvorkommen und zählt zu den größten Erdölexporteuren der Welt. Dennoch steht Nigeria vor immensen Sicherheits- und Wirtschaftsproblemen, die infolge der Corona-Pandemie größer werden und mittel- bis langfristig die gesamte Region weiter destabilisieren und Europa vor große Herausforderungen stellen könnten. Das betrifft sowohl das europäische Interesse, die Staaten des Sahel bei ihrem Kampf gegen den Terrorismus zu unterstützen, als auch die irreguläre Migration aus Afrika zu reduzieren.

SÜDAFRIKA

Als Partner für die Sicherung wichtiger Ressourcen und der Schutz des Klimas

Laut Bundesminister Müller soll Afrika zum „grünen Kontinent der erneuerbaren Energien“ werden. Südafrika, die entwickelteste Volkswirtschaft des Kontinents verfolgt in diesem Bereich ehrgeizige Ziele, welche in Deutschland ähnlich debattiert werden, so zum Beispiel die drastische Minderung des CO2-Ausstoßes, die Verringerung der massiven Abhängigkeit von Kohle und die Einführung einer Karbonsteuer.

NIGER

Als Partner für die Regulierung globaler Migrationsströme

Niger ist ein wichtiges Transitland für Migranten aus Afrika in Richtung der Mittelmeerküste. Die sogenannte zentrale Mittelmeeroute in Richtung der algerischen und libyschen Grenze und weiter an die Küste des Mittelmeers. Darüber hinaus ist Niger auch Durchgangsland für Rückkehrer aus Libyen oder für aus Algerien ausgewiesene afrikanische Migranten. Deutschland wie die EU insgesamt haben ein erhebliches Interesse, Niger als eine der Drehscheiben der afrikanischen Migration bei der Bewältigung dieser Herausforderungen zu unterstützen sowie illegale Migrationsströme möglichst nahe ihres Ursprungs zu unterbinden.